Profil

KINO ASYL ist ein Festival mit Filmen aus der Heimat von in München lebenden, geflüchteten jungen Menschen. Das Festival wird von Kurator*innen mit Fluchterfahrung, unterstützt von Fachleuten aus den Bereichen Festival und Medien, gemeinsam gestaltet.

KINO ASYL ist für die Münchner Filmliebhaber*innen ein neues Festival intensiver Begegnungen mit bislang unbekannter Filmkultur sowie mit den Kurator*innen mit Fluchthintergrund selbst, die ihr Programm und die von ihnen ausgewählten Filme selbst präsentieren.

“KINO ASYL” ist ein wichtiger Anstoß für uns alle, alte Sichtweisen zu hinterfragen, neue Perspektiven einzunehmen und vor allem neue Beziehungen einzugehen, die jenseits von etablierter Weltdeutung und politischen Verwerfungen die Menschen und die menschliche Erzählung in den Mittelpunkt stellen.”
(Dr. Hans-Georg Küppers – Kulturreferent München 2007-2019)

Ausgangssituation
Seit 2015 das „erste KINO ASYL der Welt“ dazu einlud, Filme aus aller Welt zu sehen, die von jungen Menschen mit Fluchterfahrung kuratiert und präsentiert wurden, hat sich vieles verändert. Die Mehrzahl der Kurator*innen lebt mittlerweile schon seit einigen Jahren in Deutschland. Sie haben Freundschaften geschlossen, Familien gegründet, Ausbildungs-, Arbeitsstellen und Studienplätze gefunden – sie sind hier angekommen. Ihre Flucht ist ein Teil ihrer Identität, doch das nächste Kapitel hat längst begonnen.
Dieses Ankommen spiegelt sich im Festival wieder: Die Kurator*innen und Unterstützer*innen aus unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen planen gemeinsam KINO ASYL – und das mittlerweile alles auf Deutsch. Es wird gemeinsam konzipiert, organisiert und diskutiert. Einbringen ausdrücklich erwünscht.
Trotz aller Gemeinsamkeiten bleibt auch die kulturelle Identität und Individualität ein wichtiger Bestandteil des Festivals. Hier setzt KINO ASYL an. In jedem Land gibt es eine eigene Film- und Fernsehkultur, durch deren Sendungen und Filme man geprägt ist. Was wäre das deutsche Fernsehen ohne „Wer wird Millionär“, ein Sonntag ohne den „Tatort“, Youtube ohne „Funk“ oder das junge deutsche Kino ohne Fatih Akins „Tschick“. Aus den Ländern der Neuangekommenen kennen wir diese Kulturgüter nicht. Diese kennen zu lernen und zeigen zu dürfen ist ein großer Gewinn – für beide Seiten.

Eigene Kultur zeigen

Jede*r Kurator*in präsentiert dem Auditorium einen eigens ausgesuchten oder selbst produzierten Film und damit auch oftmals die eigene Geschichte. Dadurch erhält das Publikum Einblicke in die Filmkultur des jeweiligen Heimatlandes, aber auch Einblicke in das Leben der Menschen dort. Die Filme sind unterschiedlicher Natur. Manche regen zum Lachen, manche zum Weinen und alle zum Nachdenken und Perspektivwechsel an.
Das Festival ist so angelegt, dass die Kurator*innen auf allen Ebenen aktiv eingebunden sind. Dies wird im Rahmen von Workshops und durch Teamtreffen gewährleistet. So gestaltet das Festivalteam gemeinsam Design, Öffentlichkeitsarbeit, Trailer, Filmprogramm sowie die Präsentation der Filme, übersetzt und untertitelt diese gegebenenfalls. Auch das mögliche Rahmenprogramm mit Ausstellung, Musik und Essen wird gemeinsam kreiert.


Kompetenzen fördern
Die Kurator*innen lernen partizipativ Kultur aktiv mitzugestalten und zu bereichern. Sie erlernen einen souveränen Umgang mit Medien und erhalten eine Bühne für ihre Themen und die eigene Geschichte. Durch die öffentliche Präsentation und die Übersetzung steigt das eigene Selbstwertgefühl und auch sprachliche Kompetenzen werden weiter gefördert.


Direkter Einblick in die Kultur
Den Besuchenden des Festivals wird ein tiefgehender, authentischer und persönlicher Einblick in eine für sie ansonsten verschlossene Lebenswelt ermöglicht.

Sonderpreis für Projekte zur kulturellen Teilhabe

2016 hat KINO ASYL einen vom Kulturstaatsministerium ausgelobten Sonderpreis für Projekte zur kulturellen Teilhabe geflüchteter Menschen erhalten. Aus 150 Einsendungen wurden drei Preisträger ermittelt, Zitat aus der Laudatio von Ministerin Monika Grütters:

 „In vielen deutschen Städten und Gemeinden versuchen Künstler und Helfer, mit kulturellen Mitteln das Zusammenleben zwischen Einheimischen und Geflüchteten zu erleichtern. Die fantasievollen Konzepte aus den Bereichen Theater, Musik, Schule und Kunst haben mich begeistert. Denn ich wünsche mir sehr, dass die Neuankömmlinge von uns allen als kulturelle Bereicherung wahrgenommen werden – und als Chance für die Zukunft Europas. Nur gemeinsam können wir Ängste und Vorbehalte überwinden.“

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